Ein Abend am Broadway

Springsteen lässt mich nie los. Immer wieder, auch wenn manchmal in größeren Abständen, gelangen seine Lieder in meine Ohren. Bruce, ein ewiger Begleiter seit den 80er-Jahren in der westfälischen Tiefebene. Die Vertonung von Jack Kerouac und den andere Beatniks, die Aufforderung sein Leben in die Hand zu nehmen, das eigene Kaff zu verlassen – im Schlepptau bestenfalls die große Liebe. Genauso habe ich ihn verstanden. Und jetzt das hier. Springsteen on Broadway. Eine neue CD und noch viel besser, der Mitschnitt auf Netflix.  236 Auftritte im Walter Kerr Theater in New York vor jeweils rund 1000 Zuhörern. Ein Mann aus dem „land of hope, wo nicht alle Träume in Erfüllung gehen, lässt hier komplett die Hosen runter und erzählt seine Geschichte.

Es war eine Perfomance, die ich immer noch nicht angemessen beschreiben kann. Es war fast so, als hätte ein Magier alle Shows genommen, die Bruce je gespielt hatte – von den winzigen Clubs an der Jersey Shore bis hin zu den riesigen Stadien in der Welt, sich dann alle Songs gegriffen, die Bruce je geschrieben und aufgenommen hat, um anschließend die geballte Energie und Kreativität, das ganze Charisma und Durchhaltevermögen auf seine Essens zu kondensieren.

Elliott Murphy in der Januar-Ausgabe des Rolling Stones

Hier die Playlist der Songs auf Spotify

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You gotta fight for your right to party

Adam Horovitz, Michael Diamond: Beastie Boys Buch

32 Jahre nach ihrem meisterhaften Debutalbum »Licensed to Ill« und sechs Jahre nach dem Tod von Gründungsmitglied Adam »MCA« Yauch erzählen die beiden verbliebenen Bandmitglieder Michael »Mike D« Diamond und Adam »Ad-Rock« Horovitz ihre einzigartige Geschichte: Von den Anfängen in der New Yorker Hardcoreszene über die Hinwendung zum Hip Hop bis hin zur von allen Musikstilen und Strömungen gefeierten Kultband.  Das „Beastie Boys Buch“  ist die Autobiografie einer der bedeutendsten Bands der Popgeschichte, ein Sammelsurium an Anekdoten und Momentaufnahmen, das neben zwei der drei Protagonisten so schillernde Persönlichkeiten wie Wes Anderson, Amy Poehler, Colson Whitehead, Spike Jonze und Luc Sante zu Wort kommen lässt.

Heyne Verlag, 542 Seiten, 40 Euro, ISBN:  9783453272071
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Ein Leben ohne Filter

Timo Blunck:  Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?

Nachdem eine Party-Nacht in der Notaufnahme endet, stellt Schröders Schwester ihn vor die Wahl: »Entweder Therapie, oder ich sags Mama.« So findet er sich auf der Couch der Kette rauchenden Psychologin Dr. Schulz wieder und erzählt ihr sein Leben: Von den Saunapartys der Hippie-Eltern. Von der ersten Liebe, die tragisch endete. Von ausverkauften Konzerten seiner Band Villa Hammerschmidt. Von Mardi Gras in New Orleans, Kneipenschlägereien in London und bizarren Orgien in Hamburg. Und natürlich von Sophia, der Frau, für die er alles tun würde. Dumm nur, dass es Knirpsi gibt – Schröders bösen Zwilling, der in seinem Kopf wohnt und nie aufhört, ihn zu wilden Exzessen anzustiften …

Sie haben ja keine Ahnung, Musik ist Sex. Selbst der Tod ist Musik. Musik öffnet meine emotionalen Poren, ist der Schlüssel zu meinem Herzen. Ich habe noch nie geweint, ohne dass ein Song dabei spielte. Sex plus Musik ist gleich Liebe. Ja, ja, ich weiß, das klingt nach Poesiealbum.

Heyne Verlag, 464 Seiten, 22 Euro, ISBN: 9783453271371

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Die Farbe Blau und eine tragische Liebe

Maggie Nelson: Bluets

Maggie Nelson kennt alle Schattierungen und Geheimnisse der Farbe Blau – stolz hütet sie ihre Sammlung blauer Objekte –, und sie kennt alle Künstler, die dem Blau verfallen waren: ob Joni Mitchell, Billie Holiday oder Yves Klein. Aber zugleich nutzt sie die Farbe, um sich selbst zu erkunden. Denn hinter all dem Nachsinnen über Blau verbirgt sich die Geschichte einer tragischen Liebe. Er, der Prinz des Blauen, hat sie verlassen. Also gibt sie sich mit ganzer Kraft dem hin, was von ihm übrig ist: dem Blau. Kaum jemand hat seinen Schmerz auf so poetische, inspirierende Weise seziert, wie Maggie Nelson es hier tut – eine lyrische, philosophische und sehr persönliche Erkundung der eigenen Leidensfähigkeit.

Doch was geht in dir vor, wenn du über Farbe sprichst, als wäre sie eine Heilung, obwohl du bislang noch nicht deine Krankheit benannt hast.

Stell dir vor, jemand sagt: „ Unser Grundzustand ist Freude.“ Jetzt stell dir vor, du glaubst das.

Hanser Berlin, 112 Seiten, 17 Euro, ISBN: 9783446260443

Bluets

 

Lieblingslieder: Metallica

Man weiß ja nicht, ob er seine innere Titte schon gefunden hat. In seiner Hühnerbrust schlägt allerdings ein großes Herz für die größte Metal-Band der Welt. Horst Hutzel über Metallica.

Hier sitze ich nun und möchte was über meine Metallica-Favoriten schreiben. Je länger ich überlege, desto klarer wird mir, wie schwierig das eigentlich ist. Schreib mal eben was über deine Lieblingssongs. Hm, und dann grübelst du, wie man am besten beschreiben kann, warum man sich manchmal sofort in einer anderen Welt befindet, wenn man diese hört und sie sich sofort wie Kurt Cobains Schrotflinte (Sorry!) durch dein Gehirn blasen oder dir auch immer wieder aufs Neue eine Gänsehaut bescheren. Ich werde es dennoch probieren, liebe Freunde.

Whiplash

Beginnen wir mit Whiplash. Das ist Thrash Metal pur! Man stelle sich vor, man öffnet eine Tür und bekommt adhoc eins in die Fresse. Jamann, so würde ich diesen verfickten Song simpel beschreiben. Einfach so. Mehr gibt es da nicht zu sagen.

The Four Horsemen

Die Hymne überhaupt und der Grund, warum ich mich damals in die Band Metallica verliebt habe. Ich stiefelte irgendwann Anfang der 90er nichtsahnend zur Tanke, um ein Päckchen Kippen zu kaufen, als ein VW Scirocco mit quietschenden Reifen und heruntergelassenen Fenstern auf das Gelände einbog. Es dröhnte ein Riff mit voller Lautstärke aus der verschissenen Karre, das noch dreckiger war als die Karre an sich. Was für eine filmreife Szene! Vermutlich war das der Moment, in dem ich mich das erste Mal wirklich verliebt habe. Musik. So einfach. So schnell. So brutal. So genial!

St. Anger

St. Anger aus dem gleichnamigen Album. Man liebt ihn oder man hasst ihn. Die meisten Fans hassen das komplette Album, welches ich persönlich auch als den musikalischen Tiefpunkt der Band sehe. Es ist einfach üble Scheisse. Erstaunlicherweise hat es trotzdem mit 4,2 Millionen verkauften Einheiten fast doppelt so viele Verkäufe wie die beiden Nachfolger Death Magnetic und Hardwired to Self-Destruct. Lars Ulrichs Schlagzeug klingt auf dieser Platte als ob der verkackte Duracell Hase es auf Speed spielen würde. Dennoch sticht der Song St. Anger für mich heraus. Es geht um Aggressionen und Wut. Beides drückt er perfekt aus. Nebenbei mag ich das Video. Die Band hat es damals tatsächlich im San Quentin State Prison drehen dürfen. Da gehört schon mal was dazu.

All Nightmare Long

Mit Death Magnetic sollte nach dem Albtraum St. Anger wieder alles besser werden. Leider sind auf dem Album für mich nur zwei brauchbare Songs. All Nightmare Long und The Day That Never Comes. Ich liebe All Nightmare Long, weil der Song mich an die guten, alten „Metallica-Zeiten“ erinnert. Flinkes Gedresche und ein knorkes Guitarplay. Was will mein Herz mehr? Er spiegelte für mich bei der Veröffentlichung dar, dass sich die Band trotz all der Eskapaden der vergangenen Jahre dennoch ihrer ursprünglichen Wurzeln bewusst war. (Wenn auch nur kurz)

Fade To Black

Man was konnten die Jungs für geniale Balladen komponieren. Und ja, ich sage mit tiefsten Bedauern konnten. Sie scheinen es ja leider verlernt zu haben. Wenn ich Fade To Black höre, muss ich immer daran denken, wie ich ständig Ride The Lightning hoch und runter auf meinem damals brandneuem Discman gehört habe, statt endlich Kerstin hinter der Disco zu fingern. Da war mein Problem. Ich blieb lieber zu Hause, da Discomusik nunmal einfach scheisse ist. Und die liebe Kerstin fand auch ganz schnell einen neuen Verehrer. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

For Whom The Bell Tolls

Diesen Song für eine so geniale Filmsequenz zu verwenden, ist das Beste, um beides für immer in Erinnerung zu behalten. Ich rede von dem Intro zu dem Film Zombieland. Bestes Movie Intro ever! Wo wir gerade bei Intros sind, für mich persönlich ist das ein wichtiger Punkt, der die Band Metallica aus der Masse hervorhebt. Die Jungs haben über die Jahre einfach bewiesen, dass sie wissen, wie man Musik zu etwas Großem macht, indem man die Songs schon mit einem unverwechselbarem, tief melodisch geficktem Intro startet. Vergleichbar mit einem guten Vorspiel. Frauen wissen, was ich damit meine.

One

Jeder, der den Song mag, weiß, dass er bei exakt 4:35min die Lautstärke des Wiedergabegerätes auf das Maximum stellen muss. Es folgt die Basstrommel schlechthin. Jedes Auto, was ein vernünftiges Soundsystem besitzt, verwandelt sich schlagartig in eine headbangende Abschaltzone. Das darauf folgende Gitarrensolo bezeichne ich mal dezent als Cumshot auf der Windschutzscheibe. Kirk Hammett ist einfach ein flinker Bursche.

Enter Sandman

Weg vom trotzigen Thrash Metal und hin zum Mainstream. Der Song hat einfach das, was man für einen Hit braucht. Er fängt einen sofort und man singt ihn spätestens beim zweiten Mal hören schief mit. Irgendwie ein perfekter Spagat zwischen Metal und Hard Rock. Die Hardcore-Fans der ersten Stunde waren davon übrigens überhaupt nicht begeistert. Ich persönlich habe das Black Album so wie der Rest der Welt einfach nur gefeiert. Und überhaupt, was war das für eine geile Zeit Anfang der 90er. Man konnte rund um die Uhr MTV einschalten und es lief nur geniale Scheiße. Alle namhaften Bands hatten Hammerscheiben am Start. Guns n‘ Roses, Aerosmith, Nirvana, Alice Cooper und so weiter. Hui, da gerate ich wieder richtig ins Schwärmen.

Nothing Else Matters

Warum mag man Nothing Else Matters? Ein Song, den Metallica selbst nicht wirklich mehr mag. James Hetfield hatte irgendwann mal geäußert, wie peinlich er sich berührt fühlt, wenn sie diesen Song spielen und die Leute anfangen ihre Feuerzeuge aus den Taschen zu holen. Wahrscheinlich ist das der Punkt. Der Song tangiert einfach die breite Masse. Melodischer Sound, tiefgründiger Text und somit auch was für die Frauen. Vermutlich finden sogar Feministinnen in Latzhosen diesen Song super. Nebenbei muss ich auch hier sagen, dass mir das Video sehr gut gefällt. Es wurden ein paar schöne Bilder vom Aufnahmeprozess im Studio festgehalten.

Creeping Death

Wahrscheinlich der Song, der auf keinem Metallica-Konzert fehlen darf. Er strahlt von der ersten bis zur letzten Sekunde Power aus und zieht dich in seinen Bann. Hetfields brachiale Stimme verwandelt diesen Song über den schleichenden Tod in ein wahres Monstrum. Als Konzertbesucher reißt du einfach deine Arme hoch und grölst den Refrain mit. Liebe pur!

Hier die Playlist der Songs auf Spotify:

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Lieblingslieder: Rival Sons

Bajonettathene liebt handgemachte Musik. Und dicke Bücher, alte Handschriften, Kuchen und Bahnfahren. Wer mehr von ihr lesen möchte, findet Bajonettathene auch bei Twitter.

Zu den Rival Sons gekommen bin ich wie die Jungfrau zum Kinde. Von irgendeiner selbstgebrannten, durch den Freundeskreis geschobenen CD müssen die drei ersten Alben der Band auf meinen Laptop gekommen sein und wurden von mir in einer Phase von “Muss ich mal bei YouTube anschauen” entdeckt. Denn die vier Herren aus Long Beach, Kalifornien, klingen auf Platte zwar auch sehr ordentlich – ihr wahres Können zeigen sie aber erst auf der Bühne. Als Person, die mit einem absoluten Gehör gestraft ist, bin ich recht pingelig bei der Sauberkeit von Tönen. Ich weiß daher noch genau, dass ich nach dem ersten Hören des Akustik-Version von “Face of Light” (dazu später mehr) vor mich hin murmelte “Der – Mann – trifft – jeden – Ton”. Eine Liebe war geboren. Die Rival Sons zeichnen sich durch feinste Rock- und manchmal ins Rock’n’Roll-ig tendierende Gitarrenmusik aus. Der begnadete Scott Holiday treibt die Stimme von Jay Buchanan vor sich her (oder andersrum?) und der Vergleich zu Led Zeppelin mag fast schon abgedroschen, aber deswegen nicht weniger wahr sein.

I Want More

Auf dem selbst veröffentlichten “Before The Fire” ist der Name von “I Want More” Programm. Mehr Roadtrip, mehr Bassriff, mehr Haareschütteln bitte!

Torture

Auch auf der EP “Rival Sons” rollen die Saiten weiter munter durch die Gehörgänge: Bis heute darf “Torture” in keiner Setlist fehlen und knackt auch gern mal die 10-Minuten-Marke. Vielleicht kann man den Song als den Durchbruch der Band bezeichnen, vielleicht auch erst das noch folgende “Pressure and Time”.

Face of Light

Hört euch die Live-Version dieses Lieds auf YouTube an. Wer danach keine Gänsehaut hat und sich fragt, ob man hier nicht einer der größten Stimmen des Rocks gelauscht hat, möge wieder zur Büchsenmusik zurückkehren und sich sein Lebtag lang schämen.

Keep on Swinging

Ein Lied, das mich durch so manches Tief getragen hat. Tritt Arsch, macht Mut, ist das rausgerotzte Visual-Statement-Durchhaltebrett und ja – ich keepe am Swingen.

All The Way

Nie als Single veröffentlicht und zu weit hinten auf dem Album, um normalerweise Aufmerksamkeit zu erregen. Ich halte es wegen des ungewohnten Sprechgesangs und der minimalistischen Aufmachung für eine echte Perle.

Open My Eyes

Wer es mit diesem Lied zu David Letterman schafft und ein derart knochenbrechendes “Somebody!” rausbrüllt – muss man dazu noch mehr sagen?

Secret

Auch auf “Great Western Valkyrie” von 2012 erleben die 70er ein Revival. Diese Orgel, dieser Rhythmus, diese verzerrte Stimme. Und irgendwo weinen Robert Plant und Jimmy Page in ihre alten Plattensammlungen.

Hollow Bones pt. 1

Vom aktuellsten Album greife ich die beiden Lieder heraus, die auch dessen Titel tragen, und fange mit “Hollow Bones pt. 1” an. Die Rival Sons werden reifer, ein bisschen schwerer – und so gehört sich das auch.

Hollow Bones pt. 2

Für mich das vielleicht beste Lied der Sons bisher. Perfekte Dramatik, poetische Lyrics und fast sieben Minuten diese Stimme – in die ich so verknallt bin wie damals, als ich meine Lieblingsband dank Jay Buchanan gefunden hatte.

Hier die Playlist der Songs auf Spotify:

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Gedruckte Fundstücke

Ein paar Fundstücke von der Frankfurter Buchmesse. Die liegen hier jetzt rum und sind oder werden noch angelesen. Rezensionen über diese Bücher können ja andere schreiben, die können das besser als ich.

Paul Beatty: Der Verräter

Dickens, ein Vorort von Los Angeles, ist der Schandfleck der amerikanischen Westküste: verarmt, verroht, verloren. Zugleich ist es der ganze Stolz seiner schwarzen Einwohner, eine Bastion gegen die weiße Vorherrschaft. Hier zieht der Erzähler von „Der Verräter“ friedlich Wassermelonen und Marihuana. Doch als sein bürgerrechtsbewegter Vater durch Polizeigewalt stirbt und die Gentrifizierung den gesamten Vorort auszuradieren droht,  wird er unversehens zum Anführer einer neuen Bewegung: Mit seinem Kompagnon Hominy, alternder Leinwandheld aus „Die kleinen Strolche“, führt er Sklaverei und Rassentrennung wieder ein …

Luchterhand Literaturverlag, 352 Seiten, 20 Euro, ISBN: 9783630875750

Lina Wolff: Die polyglotten Liebhaber

Ellinor ist sechsunddreißig und weiß, wie man sich schlägt. Auf einer Dating-Seite sucht sie nach einem zärtlichen,  aber nicht allzu zärtlichen Mann. So begegnet sie Calisto. Der Literaturkritiker mit Hang zur Gewalt verrät Ellinor, dass der von ihm hochverehrte Schriftsteller Max Lamas ihm sein neues Manuskript anvertraut hat. Ein außergewöhnlicher Text, von dem nur ein einziges Exemplar existiert. Max Lamas träumt von einer Geliebten, die all seine Sprachen beherrscht. Die Suche nach ihr führt ihn von Stockholm nach Italien, wo er ein Manuskript mit dem Titel »Die polyglotten Liebhaber« verfasst … Lina Wolff schreibt eindrücklich und glasklar über den männlichen Blick auf Frauen, über Verführung und Erniedrigung. Über Männer, die Frauen ausnutzen, und Frauen, die sich zu rächen wissen.  Und über Menschen, die trotz allem von gegenseitigem Verständnis träumen.

Hoffmann und Campe Verlag, 288 Seiten, 22 Euro, ISBN: 9783455001433

Paolo Cognetti: Sofia trägt immer Schwarz

Sofia Muratore wäre so gern glücklich und trägt doch immer Schwarz.
Sie hat zwei ungleiche Augen und fühlt sich wie ein »Luftballon hinter Gittern«.
Mit zehn Jahren rasiert sie sich aus Protest die Haare, mit sechzehn hat sie von allem genug. Sie erträgt die Krisen der Eltern nicht, will Schauspielerin werden, wird aber nur magersüchtig. Sie zieht von Mailand nach Rom und dann nach New York. Sie verliebt sich, taucht ein in das Leben anderer und verflüchtigt sich sofort wieder wie Gas. Überhaupt ist Sofia immer auf der Flucht, vor ihren Freunden, Liebhabern, den Eltern und sich selbst – in der Hoffnung, anderswo endlich zur Ruhe zu kommen.

Penguin Verlag, 240 Seiten, 18 Euro, ISBN: 9783328600275

Lisa Brennan-Jobs: Beifang: Eine Kindheit wie ein Roman

Lisa war das Ergebnis einer schon im Ansatz gescheiterten Liebe. Als die Studentin Chrisann Brennan schwanger wurde, hatte Steve Jobs hatte gerade das College geschmissen und schraubte in der berühmten Garage im Silicon Valley komische Kästen zusammen. Chrisann wollte Künstlerin werden und verließ den „Nerd“ Steve. Diese Kränkung sollte er ihr – und auch Lisa – lange nicht verzeihen. Der Apple-Gründer bestritt die Vaterschaft, nannte aber gleichzeitig wohl einen seiner Computer nach ihr. Und das kleine Mädchen erlebte eine Kindheit der Extreme: Da war einerseits ihre Hippie-Mutter,  die nicht einmal genug Geld für ein Sofa hatte, und andrerseits eben einer der reichsten und berühmtesten Männer der Welt … Herzzerreißend und komisch – eine Kindheit, die man so nie erfinden könnte.

Berlin Verlag, 384 Seiten, 22 Euro, ISBN: 9783827013644

Heinz Strunk: Das Teemännchen

Heinz Strunks Geschichten. Lange, kurze, ganz kurze. Zum Teil knüpfen sie an bekannte Strunk’sche Themenwelten an, Einsamkeit, Sexualnot, Körperverfall, Alkohol, Übergewicht. Sie sind aber anders geschrieben als Strunks vorherige Bücher: immer pointiert, aber oft nicht komisch, manchmal absonderlich, traumlogisch, düster, grotesk,  so zum Beispiel die Geschichte von dem DDR-Bürger, der durch politische Verfolgung so gebrochen wird, dass er die Wende als perfides Zersetzungsmanöver des Regimes missversteht und seine graue Zonenwohnung nie mehr verlässt. In anderen Stücken verabreden sich Kleinwagen zum Aufstand gegen die Menschen, erlebt Axl Rose von Guns n‘ Roses auf dem Hamburger Kiez seine Höllenfahrt, verwandelt sich eine Schönheitskönigin durch Arbeit im Schnellimbiss in eine alte Vettel, wird ein Mann an der Autobahn auf einem Windrad gekreuzigt, gerät eine Wilhelm-Busch-Expertin
im Radio komplett aus der Fassung …

Rowohlt, 208 Seiten, 20 Euro, ISBN: 9783498064495

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